Zauber Kunterbunt

Lange hatte man noch ein letztes Gefühl von Sommer in diesem Herbst. Früh morgens war das Gras bereits nass und kalt aber die Sonne wärmte die Luft und schien fast täglich vom stahlblauen Himmel. Wenn die Sonne den Nebel auflöst, dann zaubert sie eine ganz magische Stimmung. Besonders im August sieht man diese tollen Kunstwerke der achtbeinigen Bewohner. Wenn die Nächte kalt und die Tage aber noch warm sind, dann sind die Spinnen besonders fleissig und durch den Tau der an den dünnen Fäden hängt sieht man sie besonders gut. Die Tropfen glitzern dann wie Edelsteine und die ganze Welt scheint zu funkeln.


Ich geniesse diese Tage. Jeden einzelnen Sonnenstrahl sauge ich auf und versorge ihn tief in meiner Seele, um ihn dann in den dunklen Wintermonaten hervorholen zu können.


Noch bis vor einer Woche ging ich fast täglich schwimmen, in weiser Voraussicht mit Wollsocken und dickem Pulli im Gepäck.


Das Wasser ist sehr kalt und obwohl die Sonne noch immer Wärme spendet, reicht sie dann doch nicht aus um meinen schlotternden Körper wieder zu wärmen.. Aber um nichts in der Welt möchte ich auf diese letzten Bäder im See verzichten. Zu dieser Jahreszeit gehört der See nur mir, die Feriengäste sind schon lange wieder nach Hause gefahren und auch viele der Bote sind bereits sicher an Land verstaut um da den Winter zu verbringen. Jetzt aber ist niemand ausser uns auf dem See. Hier ist es noch ruhiger als sonst, sogar die Vögel sind leiser geworden. Nur unsere vier Freunde die Elstern sind jeden Tag hier und unterhalten uns mit ihrem speziellen Gesang. Ich liebe diese auffällig bunten Vögel und fast täglich schenken sie mir eine ihrer blau leuchtenden Federn als Dank für das Futter, dass sie regelmässig bei uns finden.


Die Pferde finden Herbst auch ganz toll. Es gibt keine Stechviecher mehr und endlich kann man die Welt wieder ohne Fliegenschutz betrachten. Das Gras schmeckt zwar nicht mehr wirklich gut, aber für’s Gemüht ist der Weidegang trotzdem gut und Heu gibt es auch seit einigen Wochen wieder. Sie geniessen diese Wochen bevor dann die Kälte kommt und sie kein Gras mehr finden.


Fast über Nacht hat sich die Welt in ein farbiges Kunstwerk verwandelt. Die Bäume und auch der Boden leuchten in allen Farben von Grün über Gelb, Orange, Rot und Braun. Die Hagebutten sehen aus wie rote Perlen und wenn der Wind wie heute durch die Bäume fegt, dann tanzen die bunten Blätter durch die Luft. Diese Farbenpracht ist jedes Jahr ein Wunder und weil man weiss, dass es nur von kurzer Dauer ist, schätzt man es um so mehr. Bald werden die Herbststürme die letzten Blätter von den Bäumen holen und der Regen wird sie in braunen Mantsch verwandeln. Aber noch ist es nicht so weit und so staunen wir jeden Morgen erneut über dieses bunte Wunder.


Im Sommer fielen bei einem Sturm zwei grosse Bäume um, die jetzt als Brennholz eingelagert sind. Pirmin hat sie klein gesägt, gespalten und jetzt lagern sie im Trocknen. Was für ein tolles Gefühl, wenn man weiss, dass man einen grossen Vorrat an Holz hat. Die hohen Strompreise sind auch bei uns ein Thema und so können wir die Heizperiode um einige Wochen hinauszögern. Wie es sich für ein Schwedenhaus gehört, habe ich natürlich auch einen Vedspis in der Küche, der täglich brennt. Wenn ich morgens als erstes Heu zu den Pferden bringe dann heize ich auch den Spis ein. Meistens gehe ich dann nochmals zurück ins warme Bett und wenn wir dann aufstehen, ist er heiss genug um Kaffee oder Tee zu kochen und das über Nacht aufgegangene Brot zu backen.

Es fühlt sich toll an, wenn man in die warme Küche kommt und auch wenn nicht jedes Brot perfekt aus dem Ofen kommt, so schmeckt es doch jedes Mal ganz besonders gut.


Dank meinem Gewächshaus haben wir immer noch Tomaten, Salate und etwas Blattgemüse. Die Pflanzen draussen haben die ersten Frostnächte leider nicht überlebt aber das ist nicht schlimm. Es kamen dieses Jahr sowieso fast nur Kräuter und Blumen in meinem Garten. Das Gemüse fühlte sich irgendwie nicht so wohl und war definitiv kein Erfolg. Aber die Kräuter und Blumen habe ich fleissig gesammelt und viele Räuchermischungen, Tees, Tinkturen und tolle Blumensträusse gemacht.

Ausserdem wachsten momentan so viele Pilze im Wald wie ich es in meinem ganzen Leben noch nie gesehen habe. Neben den rot leuchtenden Fliegenpilzen findet man ganz ohne Suchen jede Menge Steinpilze (die kenne inzwischen sogar ich) und einige Pfifferlinge haben es auch in den Korb geschafft. Wobei ich von denen dieses Jahr erstaunlich wenige finde. Aber Steinpilze gibt es wie Sand am Meer und so gab es die letzten Wochen leckeres Pilzrisotto, Pilzpfannen, Pilztoast und viele haben wir getrocknet und in die Vorratskammer gestellt.

Den Garten haben wir soweit winterfest gemacht. Der Rasen wurde gestern noch ein letztes Mal gemäht, die letzten Kräuter gepflückt und schon vorhandene Blumensamen zum Trocknen ins Haus geholt. Die Blätter lassen wir momentan noch liegen, die werden wir dann im Wald zu grossen Haufen aufbauen als Unterschlupf für die Tiere. Und auch der Kompost mag sie als Mischung zu dem vielen Grünzeug. Die Pflanzen lasse ich stehen bis im Frühling. Erstens mag ich keine Gartenarbeit mehr im Herbst und zweitens können sie viele Insekten überwintern und die Vögel fressen die Samen. Somit ist allen geholfen. Im Frühling bin ich dann jeweils voller Tatendrang.

Jetzt geniessen wir also die letzten schönen Tage dieser bunten Welt und sammeln viele helle und warme Erinnerungen, die uns die Dunkelheit im Winter etwas erhellen.


Ich hoffe ihr habt auch einen wunderschönen Herbst und schicke Euch viele bunte Herbstgrüsse aus dem Norden

Liebe Grüsse

Sarah



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