Auswandern zum Ersten

Freitag, 29.Januar bis Freitag 5. Februar 2021


5 Minuten vor 06:00 und somit vor dem Wecker bin ich wach. Heute geht’s los nach Schweden! Mit VW Bus und kleinem Anhänger fahren wir los an die Grenze zu Deutschland. Wir hoffen sehr, dass alles gut klappt und wir dann rechtzeitig den langen Weg nach Rostock ans Meer in Anlauf nehmen können.

Den Stempel der Schweizer für die Ausfuhr hatten wir innert kürzester Zeit. Rüber zum Deutschen Zoll – das geht ja flott dachten wir…. Dort war ein Ausbilder mit einer Azubi am Schalter. Er erklärte ihr dann lang und breit, wieso sie das Papier NICHT einfach so mit einem Stempel versetzen dürfe …


Wir mussten dann zu einer Spedition und ein T1 Formular machen lassen. 20 Minuten später, 60 Euro leichter hatten wir dieses dann zum Glück in der Hand und gingen erneut zum Zoll. Auf den angegebenen Warenwert inkl. Fahrzeuge muss man dann ein Depot hinterlegen, bei uns waren es 1700 Euro. Dann gibt’s einen Stapel Papier, den man dann unbedingt in Malmö wieder stempeln lassen muss. Für uns bedeutet das also, dass wir am Montag mit ALLEM nochmals zurück nach Malmö müssen zum tulleverket, um die Einfuhr unserer Waren in Schweden bestätigen zu lassen.




Aber dann waren wir endlich unterwegs Richtung Hafen! Die Fahr lief sehr gut. Der VW Bus schnurrte zuverlässig und das Wetter war auch ideal bis kurz vor Berlin. Dann begann das Chaos. Es schneite und war kalt, die Autobahn wurde zu einer reinen Schlittelbahn mit Eis, Schneematsch und viel Verkehr. Unser Auto schlitterte nach links und rechts und wir waren sicher, dass wir uns einen Platten geholt hatten. Aber zum Glück bestätigte sich das nicht, es war einfach die Kombination von Strasse, Hänger und Auto, die sehr schwierig war. Nach Berlin wurde es dann rasch besser und die Strassen waren trocken.

Ankunft Rostock – endlich, nach 12 langen Stunden waren wir am ersten Etappenziel angekommen.


Auffahrt auf die Fähre, Zimmer beziehen und ab ins Bett – der Schlaf lief nicht lange auf sich warten, waren wir doch beide ziemlich müde nach der langen und aufregnenden Fahrt.


Morgens um 04:40 kam dann ach schon die laute! Ansage dass wir in einer Stunde in Trelleborg ankommen werden. Noch kurz einmal gedreht und dann waren wir auch schon im Bus und auf dem Weg.


Schweden empfieng uns wie im Bilderbuch. Minus 12 Grad, alles weiss und die Sonne zauberte rosarote Hütchen auf die Tannen. Einfach traumhaft schön und genau so, wie man Schweden im Reiseführer sieht. Ein kurzer Halt im Café, Frühstück und Toilette und dann ging es endlich Richtung Lammhult. Wir kommen!!!


Tommy & Maylis waren vor Ort, Tommy war im Keller noch am Wand streichen (die haben bestimmt noch etwas Nachtarbeit vor sich). Maylis führte uns kurz rum und wir durften den Hänger vor dem Haus parkieren. Das grosse Zeigen und rumführen findet dann am Sonntag um 1:00 statt. Wir freuen uns ja so!!!!


Nachdem wir etwas rumgelaufen sind ging es Richtung Växjö auf Hotelsuche. Växjö ist eine richtig tolle junge Stadt mit vielen Restarurants, Baren und Läden. Da werden wir bestimmt öfters anzutreffen sein, um ein bisschen Kultur und Leben zu finden sollte uns langweilig werden daheim.


Das Hotel «Toftastrand» liegt direkt am See und wir haben ein ganz wundervolles Zimmer mit Blick auf den See bekommen. Kaffee und Kuchen gabs beim Empfang und Frühstück am Morgen war auch inklusive. Top!

Zum Abendessen ging es dann nach Växjö und nach einem Burger mit Fritten und einem Schwedischen Bier ging es dann früh ins Bett.



Nach einem feinen Frühstück machten wir uns am Sonntag auf den Weg nach Lammhult. Um 13:00 war der Termin für die Schlüsselübergabe. Die Sonnte strahlte und voller Freude trafen wir Tommy und Maylis bei unserem Haus. Die beiden zeigten uns alles – der Kopf war sturm und das Herz platzte vor Freude. So liebe Menschen und so ein tolles Anwesen.


Wir werden wohl noch lange brauchen, bis wir alles wissen und kennen, so viele Infos waren das. Auf jeden Fall lassen sie mir die ganzen Gartengeräte hier und Pirmin weiss Bescheid über Quad und Aufsitzmäher J. Ein kurzer Besuch bei den Nachbarn stand dann auch noch auf der Liste und wir wurden auch bereits zum Ficka eingeladen von Stehen und Inga Lena. Mit etwas Glück können wir von Ihnen einen Teil ihrer (unbenutzten) Scheune für unsere Pferde mieten. Aber das werden wir dann am Mittwoch besprechen.


Ausgestattet mit einer Flasche Wein von Inga Lena ging es dann zurück ins Haus. Die Matratze lag bereits vor dem Kamin, das Holz knisterte und die Pizza war auch bereits im Ofen. So kann das Abenteuer Ivarsbygget beginnen.



Die erste Nacht im neuen Daheim war ruhig und wir haben beide gut geschlafen. Die Stille hier ist unbeschreiblich. Man hört einfach nichts. Nur die Spuren im Schnee zeugen von den nächtlichen Aktivitäten der Waldbewohner. Gesehen haben wir bisher jedoch noch keine. Heute geht es um 10:00 nach Lammhult zur Landesbank, wo wir den Kaufbrief erhalten werden. Wir hoffen sehr, dass wir dort auch gleich ein Konto eröffnen können. Das soll in Schweden nicht immer problemlos möglich sein, hoffen wir, dass es bei uns klappt heute.

Und danach müssen wir nochmals zurück nach Malmö, um unser Transitgut beim Zoll abzustempeln. Da am Samstag der Zoll nicht besetzt war konnten wir unser Hab und Gut leider noch nicht ausladen. Aber heute Abend sollte das dann endlich möglich sein.

Weit gefehlt…. «heute Abend» durften wir ungewollt in Malmö übernachten. Aber alles von vorn.

Am Morgen ging es wie erwähnt zur Bank, wo alles Bereit war für die offizielle Hausübernahme. Das klappte auch problemlos, der Makler war lustig und die Papiere (fast) richtig vorbereitet. Bis auf ein kleines Zahlenchaos bei Pirmin’s Geburtsdatum war alles ok. Wir durften dann auch gleich unsere Unterlagen dort lassen um ein Bankkonto zu eröffnen. Hoffen wir, dass das Headoffice sein okay geben wird.

Danach ging es dann in Richtung Malmö – immer noch im Glauben, dass wir danach daheim endlich Bus und Hänger abladen würden. Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir beim Zoll Malmö an und mussten auch gar nicht lange warten, bis wir an der Reihe waren. Die nette Dame hinter der Scheibe meinte aber dann, dass sie das T1 nicht löschen könne ohne ein spezielles Formular. Dieses muss von einem schwedischen Deklaranten gemacht werden, einen Deklaranten empfehlen durfte sie aber wohl nicht und so standen wir 5 Minuten später wieder vor der Tür. Wie sollen wir bloss um 15:15 Uhr einen Deklaranten in Malmö finden? Grosses Fragezeichen. Google war dann die Lösung und wir fanden einen sehr freundlichen wenn auch nicht wirklich kompetenten jungen Mann, der sich jedoch wirklich bemühte und uns dann einen Termin für den nächsten Morgen gab. Da sassen wir also statt in Lammhult Mitten in Malmö fest.

Also Hotel gesucht, gefunden, hingefahren, gegessen und geschlafen. Kein Linsenmittel, keine Kleider nix. Muss man wohl auch mal gemacht haben im Leben.

Am Dienstag morgen ging es dann zum Deklaranten. Der hat sein Büro Mitten in der Altstadt von Malmö in einer kleinen Gasse. Einer der Mitarbeiter durfte Wache halten, damit unser Bus nicht noch abgeschleppt würde während wir auf unsere Papiere warten mussten. Dank Corona kam die ganze Belegschaft nach draussen in die Kälte und wir durften uns durch den Papierdschugel kämpfen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten sie dann aber doch erbarmen (oder vermutlich selber kalt) durften wir dann in ein Nebenzimmer und der kompetente und lustige Kalle unterhielt uns mit seinen Geschichten. Etwas über 2 Stunden später waren die Papiere dann gedruckt und es ging erneut zum Zoll.

Die nette Damen dort (zum Glück hatten wir eine Ansprechsperson, der knurrige Mann am Schalter hätte uns bestimmt glatt zurück gewiesen) gab sich dann auch Mühe, scheiterte aber irgendwie am System. Jedenfalls schickte sie uns nach einer halben Stunde wieder weg mit der Aufforderung, in einer Stunde nochmals vorbei zu kommen. Den Burgerking beim Zoll kennen wir jetzt doch recht gut….

Eine Stunde später war sie natürlich noch im Mittag und wir durften erneut warten.

Dann hatte sie endlich Zeit für unsere Papiere. Die Einzelheiten erspare ich Euch jetzt – aber wir durften tatsächlich 24 Stunden nach unserem ersten Besuch beim Zoll mit dem benötigten Stempel nach Hause fahren. Diese 300 Km waren für mich ausnahmsweise Mal ein Katzensprung.


Daheim ging es ans Abladen. Unser Muskelkater am Tag darauf spricht Bände. Der Tisch war so verdammt schwer, ich hatte keine Chance ihn auch nur ein bisschen in die Höhe zu bekommen. Keine Ahnung wie aber irgendwann stand er in der Stube. Der alte Schrank war im Vergleich ein Leichtgewicht wobei auch dieser seine Spuren hinterlassen hat. Danach ging es dann aber schnell. Kisten rein, Spaghetti in die Pfanne und kurze Zeit später wurde es dann sehr schnell still und dunkel im Hasenhaus.


Mittwoch morgen stand dann der Besuch beim Skatteverkt auf dem Plan. Dank May Lis wussten wir zum Glück, dass für uns der Bezirk Värnamo zuständig ist und nicht Växjö. Dort wurden wir von einer super freundlichen Dame empfangen, die uns sehr kompetent und hilfsbereit unterstützte. Die Papiere waren alle vollständig und somit war das ein kurzer Ausflug. Danach ging es zum empfohlenen Baumeister «Aronsson» in Rörvik. MayLis hat ihn uns empfohlen. Er kam dann auch am selben Nachmittag vorbei und jetzt warten wir auf seine Offerte für den Unterstand für die Pferde.

Somit haben wir heute also alles wieder aufgeholt und inzwischen ist daheim alles ausgepackt und eingeräumt. Es sieht schon wie ein richtiges Zuhause aus.

Morgen geht es dann nochmals zum Skatteverket – die liebe Dame hat dummerweise unser Familienbuch bei sich behalten – dann geht’s zur handelsbanken – der nette Herr hat leider keinen Farbkopie von unseren Pässen gemacht - und danach geht’s nach Växjö das Mietauto holen, um dann am Freitag früh nach Stockholm fahren zu können um zurück in die Schweiz zu fliegen. Dummerweise wurden ja die letzten Flüge storniert. Aber so hat man zumindest immer etwas zu erzählen.


Neuer Tag neues Glück und so war es heute dann auch. Als erstes ging es am Morgen in die handelsbank, dort wurde der Pass nochmals in Farbe kopiert und jetzt heisst es Daumen drücken, dass das Head office sein okay gibt. Danach ein Zwischenstopp in Värnamo um das vergessene Familienbuch abzuholen und dann ging es nach Växjö zum Mietauto abholen. Gut, wenn man weiss, dass Budget zu Avis gehört … wenn man es denn weiss. Gesucht gefunden und mit einem flotten schwarzen Fiat 500 Cabriolet (ja wirklich) ging es dann zum Mittagessen in den Pizza Hut. In Växjö findet man alles was das Herz begehrt. Aber man geht dann auch gerne wieder Richtung Lammhult, wo alles etwas kleiner und ruhiger und entsprechend überschaubarer ist.

Pirmin mit dem Flitzer voraus, ich mit meinem VW hinterher fuhren wir dann nach Hause.


Am Nachmittag kamen Tommy und MajLis zur Ficka vorbei und erklärten uns nochmals, wie die Schlösser hier in Schweden funktionieren. Wir haben uns nämlich unglaublich doof angestellt und es bis heute nicht fertiggebracht, die Schlüssel aus den geschlossenen Türen zu ziehen. Darf man keinem erzählen, tu ich jetzt trotzdem. Man soll ja auch was zu lachen haben.

Danach stand ein kurzer Spaziergang zu Teich Nr. 2 an und wir konnten den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Eis beobachten. Ausserdem haben wir jetzt auch verstanden, wieso der Zimmermann gestern einen Kompass wollte. Die Sonne geht hier nicht im Osten auf und im Westen runter sondern sie geht links vom Haus auf und rechts vom Haus runter – also zumindest sehen wir Südländer das so. Irgendwie geht die Sonne hier oben nicht in den Zenit – keine Ahnung da muss ich mich wohl noch etwas schlau machen bei Madame Google.



Jetzt ist erst einmal Zeit für ein Bier und eine Stunde nichts tun. Und morgen geht es dann in aller Früh Richtung Stockholm zum Flughafen um die Rückreise in die Schweiz anzutreten.


Mit schwerem Herzen haben wir am Freitag morgen die Haustür von unsrem neuen Daheim hinter uns geschlossen und uns auf den Weg nach Arlanda Stockholm gemacht.

Der kleine Fiat lief zuverlässig wenn auch relativ unbequem die knapp 500 km und so erreichten wir pünktlich gegen 11:00 den Flughafen. Ein kurzer Schreckmoment bereitete uns dann das Auffinden der Car Rentel Station – zum Glück sind die Barrieren in Schweden sehr schnell oben, auch wenn eigentlich gar kein Durchfahren vorgesehen ist.


Nach einer Verspätung von ca. 60 Minuten hob der Flieger dann ab und wir wurden in Zürich von Lani abgeholt. Jetzt haben wir 10 Tage Quarantäne, das heisst wir haben viel Zeit, daheim alles für unsere Auswanderung termingerecht zu erledigen.


5 Wochen und dann heisst es byebye Schweiz Hello Schweden. Wir freuen uns!



205 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Einleben

HÖNS